Felix Schneider im Gespräch

"So offen wie möglich an die Sache herangehen."

Im Gespräch mit Felix Schneider zeigt sich, wie viel in einem Fußballjahr passieren kann. Außerdem erzählt er von seinen ersten Trainingseinheiten im Herrenbereich und gibt dabei Tipps.

Wie geht es dir mit und in der aktuellen fußballfreien Zeit?

Felix Schneider: Ich bin hin und her gerissen. Einerseits ist die aktuelle Zeit für mich als Person, die ohnehin gerne die Sonne meidet und am PC arbeitet, einfach perfekt. Andererseits fehlt mir der Fußball in all seinen Facetten jeden Tag mehr. Mittlerweile ist es soweit, dass ich freiwillig Liegestütze mache - ich denke jeder, der mich nur ansatzweise kennt weiß, wie die Dinge stehen müssen. 

 

Blicken wir kurz zurück: Vergangene Saison war für uns alle ein Highlight, aber für dich persönliche sicherlich nochmal eine Stufe mehr. Es war dein erstes Jahr im Herrenbereich, du wurdest sofort zum Stammspieler und durftest gleich einen Aufstieg feiern. Wie hast du diese Saison erlebt?

Felix Schneider: Mir fällt es bis heute schwer diese Saison einzuordnen. Ich kam als mehr oder weniger einziger Jugendspieler raus und hoffte einfach Anschluss zu finden. Geholfen hat dabei sicherlich, dass ich schon einige der jüngeren Spieler wie den Flo Bär oder den Lo Schneider kannte.

Dabei war das erste Eckla für mich fast schon surreal. Denn ich stand plötzlich mit Legenden wie Ali Kilic und Fabian Früh, die ich sonst nur am Wochenende spielen sah, auf dem Platz.

Dabei hatte ich das Ziel irgendwann auch von Beginn auf dem Feld mit ihnen zu stehen. Dass es so schnell und häufig klappt, hätte ich ehrlich gesagt nicht gedacht. Umso schöner war es dann, die ersten Erfahrungen im Herrenbereich zu sammeln.

Als im Laufe der Saison dann klar wurde, dass wir um den Aufstieg spielen, haben wir alle - meiner Ansicht nach - ein wenig unsere Lockerheit verloren. Gerade ich habe gemerkt, dass ich im Vergleich zum Saisonbeginn immer häufiger zu lange nachdachte und so den passenden Moment verpasste. Auch dass unser damaliger Coach Stefan Sesselmann im Winter seinen Abschied für den Sommer verkündete war für mich eine Situation, die ich so vorher nicht erlebt hatte.

 

Der Knackpunkt in der Saison war für mich dann das wohl verrückteste Spiel meines bisherigen Lebens in Leuchau. Dort haben wir nach einer frühen roten Karte gegen uns es doch noch irgendwie geschafft, das Spiel von einem 3:1 zu einem 3:6 zu drehen.

Als dann klar war, wir würden in der Relegation spielen, war ich einfach nur verdammt aufgeregt.

Gefolgt vom verrücktesten Spiel in Leuchau war das dann wohl das Dramatischte bis dato. Hinzu kam, dass das Spiel ohne unseren Trainer stattfand - wieder eine Situation die für viele und so auch für mich neu war. Rückblickend war das Spiel dann wie ein Spiegelbild der Saison. Viel probiert, viel liegengelassen und am Ende doch noch zurecht belohnt.

Wie aber schon am Anfang erwähnt - ich kann das alles immer noch nicht wirklich einordnen. Ich saß irgendwann Nachts nach dem Spiel vor dem Sportheim und habe einfach gemerkt, wie sehr mir der Verein ans Herz gewachsen ist und ich war einfach dankbar, so etwas wie einen Aufstieg mitgestaltet zu haben.

 

Du deutest es schon ein wenig an. Im ersten Jahr Herrenbereich sammelt man sehr schnell viele Eindrücke. Welche Tipps kannst du unseren A-Jugendspieler geben, die in diesem Jahr in die 1. Mannschaft wechseln?

Felix Schneider: Ich rate einfach so offen wie möglich an die Sache heranzugehen. Am Anfang ist es freilich ungewohnt und es dauert bis man alles halbwegs kennt. Am wichtigsten ist es, meiner Erfahrung nach, einfach zuzuhören und gerade von den erfahreneren Spielern sich das ein oder andere abzuschauen. Dabei hilft es ungemein auch mal nach dem Training oder nach den Spielen länger sitzen zu bleiben, ein Spezi zu trinken und nicht gleich abzuhauen. Für viele hört das Training leider mit der letzten Übung sofort auf - meiner Ansicht nach verpassen dadurch viele einfach einen wichtigen Teil im Vereinsleben. 

Was macht für dich das Team und den Verein aus? Was nervt dich am meisten?

Felix Schneider: Was unser Team aktuell aus macht, ist die gute Mischung aus erfahreneren und jüngeren Spielern. Wir bekommen es glaube ich sehr gut hin, gerade Nachwuchsspieler schnell ins Team zu integrieren und ich habe immer das Gefühl, egal wer auf dem Platz steht, er ist Teil einer Mannschaft, was am Ende einfach ein cooles Gefühl hinterlässt.

Für mich macht es unseren Verein aus, dass wir trotz bescheidener Mittel immer wieder versuchen das Beste aus Situationen zu machen und nicht den Kopf in den Sand stecken - auch wenn es durchaus genug Gründe dafür gäbe.

Ich habe keinen Vergleich wie das Vereinsleben vor 20 Jahren mal aussah - ich höre immer nur, dass es dort mehr Zusammenhalt und Miteinander gegeben hätte und das mag durchaus sein. Ich kann aus meiner Erfahrung heraus nur sagen, dass ich das Gefühl habe, dass es gerade bei uns der Fall ist, dass wir zusammen versuchen den Verein weiterzuentwickeln und dabei jeder mit seinen Möglichkeiten so gut es geht hilft, aber klar auch ich bekomme mit, dass für viele heutzutage nur die eigene Zukunft wichtig ist.

 

Was für mich persönlich auch wichtig ist: Gerade in der aktuellen Zeit, wo Jugendarbeit für viele Vereine anscheinend immer weniger relevant ist, habe ich immer noch das Gefühl, dass wir versuchen Jugendlichen eine gute Perspektive zu bieten. 

 

Unter deine Federführung gibt es seit drei Wochen bei uns im Verein eine E-Sports-Abteilung. Wie fällt dein erstes Fazit aus?

Felix Schneider: Solche Ideen entstehen bei mir häufig aus dem Bauch heraus, deshalb waren unsere Erwartungen zu Beginn gering - wir wollten auch für uns einfach mal herausfinden, ob überhaupt Interesse besteht. Das bisherige Feedback ist aus meiner Sicht absolut top. Wir konnten binnen kurzer Zeit erste Teams auf die Beine stellen.

Aktuell ist für uns sogar die kleine Problematik gegeben, dass wir mit den Anfragen und neuen Projektideen erstmal abwarten müssen. Demnächst ist es also auch wichtig, das Organisationsteam zu erweitern - aber wie schon gesagt, alles zu seiner Zeit. Der Anfang ist auf jeden aus meiner Sicht super und ich habe definitiv Lust auf mehr.

12.06.2020 / BH